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Von Herzschlag bis Schlafmuster: Wie AI-Modelle von Samsung Wearable-Daten übersetzen

21.08.2026

AI analysiert immer öfter Biosignale, die von Wearables wie Smartwatches erfasst werden. Indem sie aussagekräftige Muster in Gesundheitsdaten erkennt – darunter Schlaf, Herzfrequenz und körperliche Aktivität – hilft AI den Nutzer*innen, ihre Gesundheit zu verstehen und aktiv zu steuern.

Weitwinkelfoto eines gut besuchten Konferenzsaals: Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer sitzen an runden Tischen mit Laptops und Wasserflaschen und verfolgen eine Podiumsdiskussion auf der beleuchteten Bühne im Hintergrund. Das Bild zeigt das Health Forum im Rahmen von Samsung Galaxy Unpacked 2026 in London.
Auf dem Health Forum im Rahmen des Galaxy Unpacked 2026 in London stellte Samsung Ende Juli seine Connected-Care-Vision vor.

Um dieses Thema ging es beim Health Forum im Rahmen des Galaxy Unpacked im Juli 2026.
Hier stellte Samsung seine Connected-Care-Vision für das nächste Kapitel der digitalen Wellness vor: eine Zukunft, in der Versorgung sich von reaktiver Behandlung hin zum präventiven, personalisierten und vernetzten Erlebnis entwickelt, getragen von einem vertrauenswürdigen Ecosystem. Eine Technologie, die diese neuen Consumer-Erlebnisse antreibt, ist das Health Foundation Model.

Infografik zum Prinzip eines Foundation Models: Links sind fünf Datenquellen (Text, Images, Speech, Structured Data, 3D Signals) dargestellt, die per Training in ein zentrales Foundation Model einfließen. Rechts zeigt eine Adaptation-Phase, wie das Modell für sechs verschiedene Aufgaben eingesetzt wird: Question Answering, Sentiment Analysis, Information Extraction, Image Captioning, Object Recognition und Instruction Following.
Ein Foundation Model wird auf vielfältigen Datenquellen – darunter Text, Bilder, Sprache, strukturierte Daten und 3D-Signale – trainiert. Anschließend wird es für eine breite Palette von Aufgaben wie Fragebeantwortung, Stimmungsanalyse, Informationsextraktion, Bildbeschreibung, Objekterkennung und Befehlsausführung adaptiert.

Forscher*innen des Digital Health Teams bei Samsung Research America (SRA) entwickeln neue AI-Technologien1, um Hinweise zum persönlichen Wohlbefinden einer Person bereitzustellen.

Samsung Forscher*innen haben kürzlich zwei Foundation Models auf Basis von Wearable-Daten vorgestellt: 1., xMAE (Physiology-Aware Masked Cross-Modal Reconstruction for Biosignal Representation Learning), das die zeitlichen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Biosignalen erlernt, sowie 2., HiMAE (Hierarchical Masked Autoencoder), das Gesundheitsmuster über verschiedene Zeitskalen hinweg in Wearable-Zeitreihendaten versteht. Beide Studien belegen den Fortschritt von Gesundheits-AI-Modellen, die physiologische Zusammenhänge und die zeitliche Struktur von Biosignalen besser erfassen können.

Die Forschung von Samsung zu den Modellen xMAE und HiMAE wurden auf der International Conference on Machine Learning (ICML) bzw. der International Conference on Learning Representations (ICLR) angenommen – ein Beleg für die wissenschaftliche Bedeutung dieser Forschung.

So funktionieren Health Foundation Models

Ein Health Foundation Model ist ein KI-Modell, das selbstüberwachtes Lernen (Self-Supervised Learning) einsetzt, um aussagekräftige Merkmale aus nicht beschrifteten Biosignaldaten zu extrahieren. Nach dem Vortraining auf großen Gesundheitsdatensätzen können die Modelle für ein breites Spektrum nachgelagerter Gesundheitsaufgaben eingesetzt werden. Darunter fällt die Analyse von Biosignalen, die Entwicklung neuer oder verbesserter Biomarker sowie die Vorhersage von Gesundheitsrisiken.

Das xMAE-AI-Modell: Kontinuierliche kardiale Einblicke über Wearables

Ein Elektrokardiogramm (EKG) auf Wearables misst direkt die elektrische Aktivität des Herzens. Es bestimmt Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität, erkennt aber auch Herzrhythmusstörungen und Risiken für Erkrankungen wie Vorhofflimmern. EKG ist hochpräzise, erfordert jedoch in der Regel, dass Nutzer*innen eine aktive Messung durchführen2 und dabei innehalten. Photoplethysmographie (PPG) hingegen kann die Herzfunktion indirekt messen, indem sie Veränderungen im Blutfluss erfasst. Dadurch lässt sich PPG passiv und kontinuierlich über Sensoren in Wearables wie Smartwatches aufzeichnen.

Beide Signale entstammen derselben kardialen Aktivität, treten jedoch mit einer gewissen Zeitverzögerung auf – ähnlich wie Donner erst nach dem Blitz zu hören ist. xMAE ist ein Biosignal-Pretraining-Framework, das darauf ausgelegt ist, die zeitliche Beziehung zwischen beiden Signalen zu erlernen, indem es maskierte Abschnitte des EKG-Signals mithilfe des leichter und kontinuierlich messbaren PPG-Signals rekonstruiert. Dadurch können kardiovaskuläre Gesundheitsmerkmale präzise über PPG analysiert werden, ohne separate, manuelle EKG-Messungen.

Zweiteilige Infografik zur Funktionsweise des xMAE-AI-Modells. Obere Hälfte: Eine Analogie veranschaulicht das Prinzip: Blitz (Lichtsignal) und Donner (Schallsignal) treffen mit einem zeitlichen Versatz ein. Aus dieser Zeitdifferenz lässt sich eine Entfernung berechnen. Untere Hälfte: Übertragung auf das xMAE-Modell. Die elektrische Herzaktivität (EKG) und der am Handgelenk ankommende Puls (PPG) werden analog als zwei zeitlich versetzte Signale dargestellt. Das Modell erlernt die Beziehung zwischen beiden Signalen und leitet daraus Wellness-Erkenntnisse ab, symbolisiert durch eine Smartwatch mit dem Wert 90 (Excellent).
Das xMAE-AI-Modell erlernt die zeitliche Beziehung zwischen EKG- und PPG-Signal – ähnlich wie die Zeitdifferenz zwischen Blitz und Donner genutzt wird, um eine Entfernung zu berechnen.

Die Forscher haben xMAE mit rund 9.400 Stunden EKG- und PPG-Daten vortrainiert. Das Modell übertraf unimodale Biosignalmodelle sowie bestehende multimodale Lernmethoden in 15 von 19 Evaluierungsaufgaben. Darunter fielen die Vorhersage kardiovaskulärer Erkrankungen, die Erkennung auffälliger Testergebnisse3 und die Klassifizierung von Schlafphasen. Die Studie bestätigte zudem das Potenzial, die erlernten Merkmale geräte-, körperstellen- und umgebungsübergreifend einzusetzen.

Das HiMAE-KI-Modell: den Körper auf jeder Zeitskala verstehen

Gesundheitsdaten, die von Wearables erfasst werden, können je nach Zeitskala ihrer Analyse unterschiedliche Informationen liefern. Kurze Zeitabschnitte etwa können schnell verändernde Signale wie Herzschläge sichtbar machen, während längere Zeitabschnitte Muster aufdecken, die sich über die Zeit aufbauen, wie Schlaf oder körperliche Aktivität. Das ähnelt dem Prinzip, beim Hinein- und Herauszoomen in ein Bild jeweils andere Details zu erkennen.

Infografik zum selbstüberwachten Lernen des HiMAE-Modells. Im Vordergrund ist eine Smartwatch am Handgelenk zu sehen, die Biosignale erfasst. Darüber sind drei Signalausschnitte in unterschiedlicher Detailtiefe dargestellt – von einer groben Wellenform über einen einzelnen Herzschlagzyklus bis hin zu einem hochaufgelösten Signalabschnitt. Eine Lupe symbolisiert das Hinein- und Herauszoomen in die Daten auf verschiedenen Zeitskalen.
Das HiMAE-Modell analysiert Wearable-Daten gleichzeitig auf mehreren Zeitskalen, von einzelnen Herzschlägen bis hin zu langfristigen Aktivitäts- und Schlafmustern.

HiMAE ist ein selbstüberwachtes Lernmodell (Self-Supervised Learning), das Repräsentationen aus Wearable-Daten über mehrere Zeitskalen hinweg erlernt. Es verwendet mehrere Encoder, um kurze und lange Datensegmente separat zu analysieren. So kann das Modell die für jede Gesundheitsaufgabe relevanten Informationen auf der jeweils passenden Zeitskala identifizieren, etwa für die Herzfrequenzanalyse oder die Schlafvorhersage. Während des Trainings rekonstruiert das Modell maskierte Abschnitte der Daten. Das ermöglicht es, zentrale Muster in Biosignalen auch dann zu erlernen, wenn nur begrenzt beschriftete Daten vorliegen.

Der nächste Schritt in Richtung Connected Care

Gemeinsam stellen xMAE und HiMAE einen Fortschritt bei AI-Modellen dar, die die physiologischen Zusammenhänge und zeitlichen Strukturen von Biosignalen präzise erfassen. Beide Modelle zielen darauf ab, präzise, kontinuierliche und personalisierte Gesundheitserkenntnisse zu liefern und mit einem einzigen vortrainierten Modell eine Vielzahl von Gesundheitsaufgaben abzudecken.

  1. Die AI-Modelle von Samsung sind Gegenstand laufender Forschung und stellen aktuell keine verfügbaren Produkt-Features dar. ↩︎
  2. Bei der Samsung Health Monitor-App, die eine EKG-Aufzeichnung ermöglicht, handelt es sich um ein Medizinprodukt. Die EKG-Funktion kann bei der Feststellung von Herzrhythmusstörungen unterstützen. Sie sucht aber niemals nach Anzeichen für einen Herzinfarkt. Die App ist nicht dazu gedacht, eine ärztliche Diagnose oder eine Behandlung durch einen Arzt/eine Ärztin zu ersetzen. Bei Bedenken um die Gesundheit sollten Nutzer*innen unbedingt einen Arzt/eine Ärztin aufsuchen. Die App ist nicht für Nutzer*innen bestimmt, die jünger als 22 Jahre sind. Weitere wichtige Hinweise findest du in der Bedienungsanleitung. Bitte lies die Bedienungsanleitung und Hinweise gründlich vor dem Erstgebrauch durch. ↩︎
  3. Die genannten Ergebnisse beziehen sich auf Benchmark-Aufgaben aus wissenschaftlichen Studien und stellen keine Aussagen zu aktuellen oder künftigen Produkten von Samsung dar. ↩︎
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